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Altersweisheit und temperamentvolles Engagement

Klavierkonzert mit Alla von Buch im Fürstensaal von Burg Wernberg

Das Konzert in Wernberg bildet den Abschluss der diesjährigen Konzerttournee, die die renommierte Pianistin Alla von Buch durch die Hauptstädte der ehemaligen Sowjetunion führte. Bild: Tietz

VON REINHOLD TIETZ

Wernberg-Köblitz. Vielleicht war das stürmische Wetter daran schuld - jedenfalls hätte der Fürstensaal von Burg Wernberg noch mehr Zuhörer gefasst, als Alla von Buch ihren Klavierabend begann. In Kiew geboren, im Alter von 13 Jahren nach Deutschland gekommen, wurde sie Pianistin, lehrte am Richard-Strauss-Konservatorium München und an der Universität von Guanajuato in Mexiko, ferner konzertierte sie in der ganzen Welt.

Reich und erfüllt

Jetzt gerade von einer Tournee durch die Hauptstädte der ehemaligen Sowjetunion zurück, blickt sie auf ein Leben voll reicher und erfüllender Beschäftigung mit Musik. Die „Arabeske" op 18 von Robert Schumann, girlandenartig heitere Musik, erklang abgeklärt, verströmte pure Harmonie, deutete keinerlei Problematik an.

Es schien, als würde vor allem abgeklärtes Klavierspiel an diesem Abend geboten.

Aber schon die berühmten Anfangstakte der nächsten Nummer ließen ahnen, dass es dabei nicht bleiben würde: Schroff der schwergewichtige Beginn der Sonate c-moll op 13, der „Pathetique" von Ludwig van Beethoven, atemlos jagend die geschwinden Satzteile. Der gesangliche zweite Satz gemahnt vielleicht an Ruhe und Frieden, wenn da nicht die Triolen im Mittelteil wären. Im Schlusssatz schließlich überwog trotz des ruhigen Seitenthemas Unruhe und gehetztes Vorwärtstreiben in Alla von Buchs Interpretation. So war schnell klar, Frau von Buch spielt Musik, die keine Problematiken aufwerfen will, in ruhiger Manier, wenn Musik aber dramatisch abläuft, gestaltet sie diese ebenso überzeugend. Und genau diese Spielweise benötigte sie zum nächsten Programmpunkt des Abends, den„Meditationen über Orion" aus dem Zyklus „Sternbilder" von Helmut Burkhardt. Das sind nicht nur Sphärenklänge, sondern ebenso oft heftige Akkordpassagen und schnelle Läufe, die zusammen mit gleichzeitig auf eine Leinwand projizierten Bildern in eine Stimmung des intensiven Empfindens von unendlicher Weite und Ferne versetzen.

Dabei verwandeln die reichen musikalischen Tonkaskaden in genialer Umsetzung optische Eindrücke in seelische Stimmungen, aber nur, wenn die musikalische Logik so zwingend zur bildlichen Suggestion passt, wie bei der Spielweise Alla von Buchs. Genauso in ihrem Element war die Pianistin schließlich bei ausgewählten Werken von Frederic Chopin, einem Nocturne, drei Mazurken und sechs Etüden. Gerade diesen Komponisten kann man nicht in verklärender Altersweisheit spielen, und damit war er bei Alla von Buch bestens aufgehoben.Technik spielt bei ihr keine Rolle, die hat sie drauf, um es salopp modern zu sagen. Technik dient ihr lediglich dazu, den musikalischen Gehalt, die Absichten Chopins bei der Konzeption seiner Charakterstücke, überzeugend in passender Darstellung zu vermitteln. Und dazu gehören eben auch die Etüden, die bei anderen Komponisten lediglich Fingerfertigkeiten verbessern helfen, bei Chopin aber als kleine Seelendramen empfunden werden können.

Teil des Honorars als Spende

Der reiche Beifall veranlasste die Künstlerin, zwei weitere Kostbarkeiten Chopins vorzutragen, darunter das wunderschöne Fantasie-Impromptu op. 66. Anrührend schließlich ihre Idee, einen Teil ihres Honorars zu spenden, damit zukünftig statt des Klaviers ein Flügel für Konzerte im Fürstensaal zur Verfügung stünde. Aber das ist wohl Sache des Hausherrn.

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